Im November 2015 hatte ich mir zwei Ampy Move als Preorder direkt in den USA bestellt. Die Versprechungen der schönen bunten Webseite des Kickstarterprojektes waren groß. Das Projekt weckte Hoffnung auf eine tolle Möglichkeit der mobilen Stromversorgung von Kamera oder Smartphone auf langen Wanderungen ohne Steckdose. Gespannt wartete ich bis Anfang Januar 2016 endlich eine Nachricht vom Zoll eintraf, dass ich die Lieferung dort abholen kann. Jetzt muss ein Ampy Move Test natürlich erst mal zeigen ob die Versprechungen auch eingehalten werden.

Ampy Move Test – Was ich erwarte bzw. erhoffe

Nun, natürlich war von vorn herein klar, dass man mit einem Ampy Move keine Stromausbeute hat um damit Smartphone, GPS, Kamera, Navi, … alles in vollem Umfang den ganzen Tag nutzen zu können. Mir persönlich geht es darum, mein Smartphone unterwegs auf langen Wanderungen im Flugzeugmodus, also mit abgeschalteter Kommunikation, ohne GPS etc. zu betreiben, nahezu ausschliesslich als Kamera und für Sprachnotizen. Alle paar Tage mal einen kurzen Anruf oder ein, zwei SMS. Meine Ansprüche an die Stromausbeute ist also eher gering.
Mein LG G4 mit seinem 3000 mAh Akku läuft in diesem Modus 3-4 Tage. D.h. es sollte durch das Ampy Move möglich sein, täglich so viel Strom durch die eigene Wanderbewegung zu erzeugen, dass entsprechend der tägliche Stromverbrauch, 1/4 bis 1/3 des Smartphoneakkus, also ca. 1000 mAh, ausgeglichen wird. Der Ampy Move Test muss zeigen ob das möglich ist.

Ampy Move Test – Was der Hersteller verspricht

Auf der Webseite des Herstellers wird gesagt, dass „eine Stunde Bewegung (Excercice) produziert“:

  • bis zu 1 Stunde Smartphone Battery Life (Normal use)
  • bis zu 5 Stunden Smartphone Battery Life (Standby use)
  • bis zu 24 Stunden Smartwatch Battery Life( Normal use)

Dabei ist das Ampy Move auf Bildern z.B. an der Hüfte eines Joggers oder am Unterschenkel eines Radfahrers befestigt abgebildet.

Ampy Move Test – Meine Interpretation der Versprechungen

Smartphone Battery Life im Normal use (also nicht Stangby use) interpretiere ich als ganz normal eingeschaltet zum Telefonieren, Internetzugriff, Kamera, etc., also nicht Flugzeugmodus. Wenn 1 Stunde Joggingbewegung 1 Stunde dieser Nutzungsdauer erbringen soll, dann sollten doch 6-8 Stunden Wandern über den Tag genügend Strom erzeugen um mit dem Smartphone im Flugzeugmodus pro Tag 20 bis max. 30 min Video zu drehen und, sagen wir max. 50 Bilder mit der Kamera aufzunehmen ?

Ampy Move Test – Geräte auspacken

Nach dem Auspacken der beiden bestellten Ampy Move, zeigt sich, dass die Akkus der Geräte jeweils ca. 3/4 geladen sind, d.h. 3 der 4 LEDs zur Anzeige des Ladezustandes leuchten. Der erste Teil meines Ampy Move Test besteht jetzt ganz einfach darin, mein Smartphone an eines der Ampy Move über das Ladekabel anzuschliessen um zu sehen, wie weit das LG G4 sich mit diesem Ladezustand aufladen lässt.
Ergebnis: von 62 % auf 87% Ladezustand.
Das Ampy Move war bei diesem Vorgang einfach so lange am Smartphone angeschlossen bis der Lagevorgang abgebrochen wurde, d.h. vom Ampy Move nicht mehr der benötigte Ladestrom geliefert wurde. Danach leuchtete keine der 4 LEDs am Ampy Move, es wurde also „leerer Akku“ angezeigt.

Ampy Move Test – jetzt Bewegung

Jetzt gehts los mit dem eigentlichen Ampy Move Test … jetzt muss das Teil bewegt werden um den integrierten Akku wieder aufzuladen. Das habe ich jetzt nicht per Jogging, Wandern oder Rad fahren gemacht, sondern ich habe das Gerät in der Hand immer möglichst senkrecht geschüttelt. Senkrecht, weil die beiden enthaltenen Induktoren, die den Strom „produzieren“ bei senkrechter Bewegung die höchste Ausbeute erbringen. Dabei habe ich pro Minute 250 bis 300 Schüttelbewegungen erbracht. Ich habe immer am Stück zwischen 10 bis 20 min geschüttelt, pausiert, weiter geschüttelt … ich wollte es eben wissen ! 🙂

Schon nach 30 min Ampy Move Test Schütteln leuchtete die erste der LEDs am Ampy Move wieder … freu … das würde ja heißen … aber schaun wir weiter.

Weiter Schütteln, weiter schütteln, … weiter schütteln … nach insgesamt 5 Stunden Schütteln, also „extrem sinnvoll verbrachter Lebenszeit“ … tat sich nichts weiter … keine weitere der 4 LEDs erleuchtete, es blieb bei nur einer LED.

Ampy Move Test – kein Ladevorgang

Da natürlich eine Restladung im Akku enthalten war, leuchtete die erste LED sehr schnell wieder, ein Akku „erholt“ sich nach Belastung, hier dem Laden des Smartphones ja auch wieder geringfügig. Grundsätzlich kann man aufgrund meines 5 Stunden Ampy Move Test aber wohl sagen, dass die erzeugte Strommenge so gering ist, dass der im Ampy Move enthaltene 1800 mAh Akku nicht in einer Zeit geladen werden kann, dass er während einer Outdooraktion eine Hilfe sein kann. 5 Stunden intensives Schütteln mit einer höheren Bewegungsamplitude, Bewegungsintensität und Bewegungskontinuität als es beim Joggen, Rad fahren oder Wandern möglich ist, ergeben gerade mal das Leuchten der ersten von vier LEDs am Ampy Move, also nur 1/4 Ladung. Auch nach 5 Stunden keine 2. LED. 5 Stunden solch intensives Schütteln, ist wesentlich mehr Bewegungsenergie als an einem ganzen Tag durch Joggen oder Wandern erzeugt werden kann. Rechnet man jetzt also mal großzügig zugunsten des Ampy, das man mit jeweils 5 Stunden Schütteln (= 1 Tag Wandern) 1/4 des Ampy Move Akkus voll kriegt, dann ergibt dieser praktische Ampy Move Test, dass man so mindestens 4 Tage benötigt um das Ampy Move mit seinem 1800 mAh Akku voll zu kriegen.

Ampy Move Test – nach 5 Stunden für 1% Ladung

Mit der nach 5 Stunden Schütteln vorhandenen Ladung im Ampy Move habe ich mein LG G4 von 10% auf 11% aufgeladen … Jubel … Applaus, Applaus, Applaus !! 🙂

Ampy Move Test – Fazit für meine Erwartungen

Mein Ampy Move Test und die obige, natürlich unwissenschaftliche Berechnung ergibt also ganz klar, dass weder meine Hoffnung noch die Versprechungen des Herstellers auch nur ansatzweise erfüllt werden. Wenn ish pro Tag 1000 mAh im Smartphone verbrauche, pro 4 Tage aber nur 1800 mAh produzieren kann, gleicht das den täglichen Verbrauch natürlich längst nicht aus. Dabei sind ca. 20% Wandlungsverluste beim Laden des Smartphones über den Ampyakku noch gar nicht eingerechnet.

Sehr ähnliche Ergebnisse, jedoch mit entsprechenden Messungen auch „physikalisch und elektrotechnisch“ begründet sind in einem Test auf der Seite von pocketnavigation.de nachzulesen.

Ampy Move Test – Betrug ?

Als Idee und als Kickstarterprojekt bekannt gemacht, ist das Ganze durchaus sehr interessant und weckt bei jedem, der unterwegs elektrische Kleinverbraucher mit Strom laden muss Hoffnung. Zauberei erwartet sicher kein klar denkender Kunde.

Aber sicher haben auch die Produzenten des Ampy Moves ähnliche Tests gemacht. Die Versprechungen auf der Webseite (siehe oben) sind also soooo übertrieben, dass sie für mich persönlich gelogen sind … und …

… Lügen ist nun mal Betrügen … oder ?

Mein Kauf der beiden Ampy Move (ca. 250 EUR incl. Zollgebühren) ergibt mit meinem persönlichen AmpyMove Test also am Ende für mich:

Ampy Move = sündhaft teurer Sondermüll

Nachtrag 22.02.2016:
Inzwischen hat ein befreundeter Elektrotechniker ebenfalls noch mal Messungen durchgeführt, also den Strom gemessen, der beim Schütteln des Gerätes erzeugt wird bzw. was entsprechend im integrierten Akku ankommt. Ich mache es hier kurz, er bestätigt, dass der Akku „im Leben nicht voll wird“, das es nur als „völlig überteuerte Powerbank“ zu gebrauchen ist und kommt somit quasi auf das gleiche Ergebnis wie die Tester von pocketnavigation.