Gerade gestern bin ich von der Wanderung im deutschen Wald zurück gekommen. Hätte gut und gerne noch Wochen weiter draußen bleiben können, denn schon 2 Stunden nach dem Start waren alle Gedanken an zuhause, Job und so vergessen …

Herbstwanderung mit Topwetter

Eine Herbstwanderung sollte es sein, hätte ich nicht gewusst was auf dem Kalender steht, hätte ich fast immer gedacht es ist Sommer – also (bis auf die letzten 3 Tage) immer Topwetter, kein Regen und tagsüber T-Shirt-Wetter. Einen besseren Zeitpunkt hätte ich mir nicht aussuchen können.

Die Wanderroute

Ich hatte ja keine konkrete Streckenplanung, das ist draus geworden:

Wasser nur von draußen !

Mein Ziel, keine Getränke zu kaufen ist voll erreicht, es gab fast überall problemlos kleinste bis kleine Bäche und Quellen aus denen ich Wasser nehmen konnte. Einmal wurde es sehr knapp für einen halben Tag. Je höher man ist, in diesem Falle im Soonwald, desto weniger Wasser ist da, bzw. ich musste dann die Route an das Vorhandensein von Wasser anpassen. Allerdings sind in dieser Jahreszeit viele auf der Karte eingezeichnete Bäche ausgetrocknet. Habe meist 3 Liter Wasser mit getragen, das ist natürlich lästig, geht aber hier wohl nicht anders.

Aber so was erfreut das Herz:
Wasser finden war kein Thema, manchmal jedoch auch eine Arbeit für einen halben Tag, besonders mit Wanderkarte 1:50000.Wasser finden war kein Thema, manchmal jedoch auch eine Arbeit für einen halben Tag, besonders mit Wanderkarte 1:50000.
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Wasser finden war kein Thema, manchmal jedoch auch eine Arbeit für einen halben Tag, besonders mit Wanderkarte 1:50000.
 

Nur einmal !

[klitzekleiningrundundbodenschämschrifttypEIN]
da habe ich mir ne kalte Cola rein gehauen, am 4. Tag in Lorch beim Übersetzen über den Rhein. Danach gab es kein Gedanke mehr an so was
[klitzekleiningrundundbodenschämschrifttypAUS]

Schlafen und Essen war natürlich kein Problem

Tarp, Isomatte und Schlafsack dabei, für 7 Tage Futter im Rucksack, … mehr braucht es ja nicht. Und ab und an gab es noch ne Ergänzung aus dem Wald:

Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...
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Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...
 
Nach dem Einkaufen wieder mit vollem Rucksack.Nach dem Einkaufen wieder mit vollem Rucksack.
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Nach dem Einkaufen wieder mit vollem Rucksack.
 
Habe auch mit dem Hobo direkt vor dem Tarp gekocht während ich drunter gesessen habe. Da gibt es keine Probleme mit Funkenflug bzgl. des Tarps. Es ist das Ranger II von Begadi. Robust und dicht !

Pilze und andere Anzeichen von Leben im Wald

Habe Damwild, Rehe, Füchse, Kraniche, Kormorane, Wildschweine gesehen, gehört und etliches an Spuren gefunden. Des öfteren müssen nachts Wildschweine sehr dicht an meinem Tarp vorbei sein, war deutlich zu hören. Ebenfalls die charakteristischen aufgewühlten Stellen nicht zu übersehen. Das absolute Highlight im Schwarzwälder Hochwald waren aber die Brunftrufe von Rotwild, nicht sehr dicht aber deutlich zu hören. Habe ich vorher erst einmal gehört. Ein charakteristisches „Bellen“ ordnete ich einem Dachs nachts zu, da bin ich aber nicht sicher.
Ganz am Anfang gab es nachts auch die charakteristischen Rufe von Enten und Gänse am Himmel die gen Süden ziehen.
Wenn ich das mal so alles zusammen nehme, war das mehr „Getier“ als in den beiden letzten Jahren zusammen genommen, so abgeschottet lebe ich sonst in meinen beiden Jobs und kriege sowas gar nicht mit – allein das war ein super Erlebnis.

Tolle Ausblicke und Impressionen

Natürlich gab es auch überall tolle Ausblicke, unberührte (naja, sehr naturnahe) Natur und einfach jede menge Plätze an denen ich einfach nur da gestanden oder gesessen habe und alles auf mich einwirken gelassen habe. Augen zu – Augen auf – breites Grinsen – und es einfach nur toll finden, dass es auch hier noch so tolle Dinge gibt. Man muss nur hin und sie sehen! Da kam echt manchmal ein Gefühl der Demut auf und gleichzeitig die Freude in mir, dass ich das noch sehe und darin schwelgen kann/darf.

Blick in den zersiedelten HunsrückBlick in den zersiedelten Hunsrück
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Blick in den zersiedelten Hunsrück
 
... so wie sich das Wandererherz das vorstellt.... so wie sich das Wandererherz das vorstellt.
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... so wie sich das Wandererherz das vorstellt.
 

Leider gibt es auch nicht so schöne Stellen im Wald

Klar, es ist zu einem großen Teil ein Wirtschaftswald und es wird Holz geschlagen. Gerade jetzt im Herbst am Ende der Vegetationsperiode. Das ist normal.
Aber müssen denn auch heute immer noch die reinen Fichtenmonokulturen in Planquadraten angebaut werden und dort, wo die Ernte gerade stattfand, genau wieder neue reine Fichtenschonungen angebaut werden ? Ich bin kein Forstexperte, aber auch ich weiß, dass es andere und bessere Methoden der Waldbewirtschaftung gibt und auch angewendet werden. Habe häufig Bereiche gesehen, an denen wieder Mischwald „gezogen“ wird, teilweise sogar von Natur „gesäht“, an denen nur punktuell Holz entnommen wird und generell sehr renaturierend gearbeitet wird. Auch das ist sehr positiv anzusehen.

Windkraftanlagen

Der Hammer sind aber die Windräder im Hunsrück, in diesem Fall speziell die Planungen im Soonwald.
Gerade dort, wo das Herzstück des Soonwalsteiges ist, als auf den Höhen von denen man in nördliche und südliche Richtung die tollen Ausblicke hat, gerade hier ist dieser Steig aktuell gar nicht wanderbar (eine fast komplette Tagesetappe am Windpark Ellern). Hier ist die Markierung des Steiges weg von der eigentlich reizvollsten Streckenführung umgelegt um die 3 großen Windparkbaustellen zu umgehen. Ich bin hier aber den ursprünglichen Weg gegangen und eben zwischen Kabelverlegearbeitung, Fundamentlegungen, Straßenbau, Baggern und anderen grossen Maschinen „gewandert“. Was für ein Kontrast. Gerade auf den höchsten Erhebung stehen bereits jetzt ca. 20 Windräder, bis 2016 (Infos der Bauarbeiter) sind hier noch weitere über 40 Windräder im Bau bzw. in der Planung. Nur auf den 3 höchsten Erhebungen. Wie viel Wald dazu drauf geht für Zufahrtsstraßen und sonstige Infrastruktur ist Wahnsinn, wenn ich mir da jetzt noch 40 Anlagen dazu vorstelle … ich mag gar nicht dran denken was das für ein Flächenverbrauch bedeutet. Einige der Arbeiter meinten, es sei halt ihr Job aber es blutet das Herz das mit anzusehen und es selbst zu machen.

... mit riesigem Flächenverbrauch direkt im Wald.... mit riesigem Flächenverbrauch direkt im Wald.
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... mit riesigem Flächenverbrauch direkt im Wald.
 
Der Bau von ca. 250 Windkraftanlagen auf den Höhen des Soonwaldes ...Der Bau von ca. 250 Windkraftanlagen auf den Höhen des Soonwaldes ...
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Der Bau von ca. 250 Windkraftanlagen auf den Höhen des Soonwaldes ...
 
... geplant bis 2017 ...... geplant bis 2017 ...
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... geplant bis 2017 ...
 
Es gibt eine Stelle an der habe ich über den Hunsrück nördlich vom Sonnwald über 100 Windräder in direkter und weiterer Entfernung gesehen, rechnet man die weiteren Planungen an allen Standorten dazu, sind das in einigen Jahren mindestens 350 Anlagen – eben mit sehr hohem Flächenverbrauch.
Versteht mich nicht falsch, das ist keine Abhandlung gegen Windkraft. Ich habe es in diesem gewaltigen Ausmaß nur vorher noch nicht bewusst gesehen und es hat mich sehr zum Nachdenke darüber angeregt – gerade im Kontrast gegen die tolle Natur, die ich in diesen Wochen sonst erlebt habe.

Nach einem Pausentag

Wenig andere Leute

In der ganzen Zeit habe ich sehr wenig Leute getroffen, nicht mal wenn ich auf einem markierten Weg war, sicher Jahreszeit bedingt.

Aber 2 lustige Begegnungen waren doch dabei

In einem sehr schönen Bereich im Soonwald kamen mir 3 Männer, ca. 25 Jahre entgegen, sehr sehr bepackt mit riesen Rucksäcken. Nette Jungs und ich konnte wegen des Gepäcks nicht widerstehen zu fragen ob sie für eine große Unternehmung testen ob sie mit so großem Gepäck klarkommen, es tragen können, etc. Sie meinten aber ganz verwundert, nein, sie würden draußen schlafen und sie hätten mit 5 Tage Proviant ansonsten nur das nötigste dabei. Hm, ich meinte dann ich hätte 7 Tage Futter dabei, schlafe auch draußen und mein Rucksack ist nur die Hälfte (obwohl auch bei mir noch Abspeckpotential vorhanden ist). Die waren völlig entgeistert, meinten lächelnd wenn sie mal so alt wären wie ich, hätten sie sicher auch mehr Erfahrung beim Packen. Habe ihnen zum Lernen natürlich www.bushcraftportal.net empfohlen.

Genau in die andere Richtung ging eine Begegnung mit einem (ich nenne die so) Roadrunner im Soonwald. Ein Ultralighter, der aber so gar nix dabei hatte und in lila Anzug gekleidet war. Fragte mich ganz panisch wo denn aus meiner Richtung die nächste Schutzhütte wäre, auf dem Soonwaldsteig gäbe es ja sooo wenige, letzte Woche sein er den Hexensteig im Harz gelaufen, da gäbe es viel mehr Schutzhütten, er wüsste jetzt gar nicht wo er übernachten soll … und es war schon 18 Uhr … naja, …

Meine Eltern holen mich am letzten Tag ab

Beim Warten auf dem Waldparkplatz am Keltischen Ringwall bei Nonnweiler regnet es das einzige Mal auf der Tour so richtig … naja, war zu verkraften 🙂

FAZIT:

Es war ein super Erlebnis … möglichst bald wieder !!

Impressionen

Wanderroute von Wiesbaden durch den Taunus, Soonwald und Hunsrück bis Nähe NonnweilerWanderroute von Wiesbaden durch den Taunus, Soonwald und Hunsrück bis Nähe Nonnweiler
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Wanderroute von Wiesbaden durch den Taunus, Soonwald und Hunsrück bis Nähe Nonnweiler
Der erste Bach am ersten Tag im Taunus - Wasser!Der erste Bach am ersten Tag im Taunus - Wasser!
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Der erste Bach am ersten Tag im Taunus - Wasser!
Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...
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Das erste Nachtlager im Taunus, Wiesbaden noch nicht weit weg ...
 
... schön versteckt.... schön versteckt.
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... schön versteckt.
Wetter ist prachtvollWetter ist prachtvoll
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Wetter ist prachtvoll
 
Am Grauen SteinAm Grauen Stein
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Am Grauen Stein
Tolle Stelle direkt am Bach und trockenes Feuerholz in Augenhöhe an den Bäumen.Tolle Stelle direkt am Bach und trockenes Feuerholz in Augenhöhe an den Bäumen.
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Tolle Stelle direkt am Bach und trockenes Feuerholz in Augenhöhe an den Bäumen.
Oberhalb von LorchOberhalb von Lorch
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Oberhalb von Lorch