Das ist eine ganz gemütliche Wanderung, eher langer Spaziergang durch flaches Feld-Wald-Wiesen-Mittelgebirge. Kaum Anstiege, nichts anstrengendes. Die Landschaft ist schön bewaldet, dem Routennamen „Sauerland Waldroute“ angemessen. Da der Wald hier jedoch sehr stark bewirtschaftet ist, gibt es kaum kleine, weiche Waldwege, die überwiegende Streckenführung besteht aus festen Forst-, Feld- und Fahrwegen.

Trotzdem ist immer ein schöner Lagerplatz zum Übernachten zu finden und auch die Wasserversorgung durch Bäche und deren Quellgebiete ist völlig problemlos.

Und obwohl fast jeder Weg mit einem extrem dichten Netz aus markierten Wanderwegen belegt ist, habe ich in diesen 9 Tagen nur ganz wenige andere Wanderer getroffen, vor allem nur ein paar Biker auf ausgeschilderten Bikerrouten. Selbst relativ dicht an Dörfern und kleinen Ortschaften ist der Wald schön leer 🙂

Sauerland Waldroute: Tag 1 – Startpunkt Willingen

Es ist Samstag, der 16. Mai 2015, 11 Uhr. Am Abend zuvor bin ich noch bis kurz vor Willingen gefahren und habe dort im Auto in einem Waldweg übernachtet. Heute die restlichen Kilometer bis Willingen, das Auto in der Sonnenstraße geparkt, den Rucksack aufgesetzt und auf einem Weg Richtung Hoher Eimberg nördlich von Willingen den Wald betreten 🙂 Natürlich muss jetzt erst mal Wasser gesucht werden. Das fand ich in einem klaren Bach zwischen Laupketal und Teufelsgrund. Von hier ging es noch ganz locker weiter bis zum Nachtlager kurz vor dem Diemelsee, dicht beim „Gipfel“ des Köpfchens.

Sauerland Waldroute: Tag 2 – Diemelsee

Morgens komme ich am Diemelsee an und laufe am nördlichen Ufer entlang bis zur Staumauer. Schönes Panorama über liebliche Landschaft und ich sehe, dass das Ausflugsschiff ganz brav vor dem ausgewiesenen Naturschutzgebiet abdreht und kehrt macht. An der Staumauer angekommen, merke ich das Sonntag ist. Viele Ausflügler und Motorräder treiben den Lärmpegel nach oben.

In nördliche Richtung verlasse ich erst mal die Sauerland Waldroute und schummele mich soweit möglich an den Orten Padberg und Bredelar vorbei. Am späten Nachmittag kreuze ich die Sauerland Waldroute wieder und folge dieser auf schönen Pfaden bis ins Naturschutzgebiet Aabachtal. Hier schlage ich für die Nacht am Rande eines kleinen Feuchtgebietes direkt an einer Schutzhütte mein Tarp auf und probiere zum ersten Mal meinen neuen Hobo unter realen Bedingungen aus – funzt prima und der Griesbrei schmeckt super!

Sauerland Waldroute: Tag 3 – Aabachtalsperre

Erst mal zur Aabachtalsperre, nicht auf dem markierten Weg, sondern auf der anderen Seite des Baches auf einem ganz kleinen Pfad. So erreiche ich den südlichsten Zipfel und stehe unvermittelt vor einem ruhigen Stück See mit Kaulquappen im sonnig-warmen Uferbereich, der fast „wild“ erscheint wenn man den Gedanken verdrängt, dass es ja ein Stausee ist.
Über den Hugo-Peuss-Weg biege ich hier ab in westliche Richtung. An den Orten Bleiwäsche und Alme vorbei. Es stehen Kühe und Pferde auf der Weide und Waschmaschinen im Wald. Nordwestlich von Alme, in der Nähe des Romberges gibt es wieder einen schönen Lagerplatz zwischen zwei kleinen Bächen. Ich habe also sogar die Auswahl wenn ich Durst habe.

Sauerland Waldroute: Tag 4 – Am Biberteich

Ab heute halte ich mich erst mal fast strikt an die Wegführung der Sauerland Waldroute. Da es hier leider fast nur feste Forst- und Fahrwege gibt, führt diese Strecke noch am optimalsten auch mal über kleinere Pfade, leider aber hauptsächlich harte Wege. Da tröstet auch die große Fahne bei Ringelstein nicht, auf der geschrieben steht, dass die Sauerland Waldroute zauberhaft, mystisch und für Entdecker angelegt ist … finde ich doch etwas hochgegriffen in Anbetracht der vielen „Waldautobahnen“ der Streckenführung.

Trotzdem ist die Landschaft schön und das tolle Wetter, die Ruhe und die vielen tollen Aussichten machen alles wieder wett. Abends schlafe ich heute am Biberteich, das Tarp über einer Bank aufgespannt (es regnet in dieser Nacht etwas) und erfreue mich am Wassertreten und an der Entenfamilie auf dem Teich.

Sauerland Waldroute: Tag 5 – Hohler Stein

Das Highlight des Tages ist ganz klar der Hohle Stein in der Nähe von Kallenhardt im Lörmecketal, eine Höhle in der schon unserer Altvorderen gelebt und gewohnt haben. Später diente die Höhle dann als Begräbnisstätte und im 30 jährigen Krieg war es der Unterschlupf für Falschmünzer.

Ich bin ganz alleine hier und stelle mir vor hier zu wohnen, die frisch erlegte Beute zu verarbeiten, Wintervorräte anzulegen und mich womöglich mit meinem Klan gegen die „bösen“ Säbelzahntiger verteidigen zu müssen 🙂
Danach geht es weiter in Richtung der Bilsteinhöhle und es gibt ein heftiges Gewitter. Also muss der neue selbst genähte Silnylon-Poncho raus. Das Gewitter ist heftig aber kurz und auf dem „Gipfel“ der Höhle angekommen stehe ich mit dem Poncho über dem dampfenden Tal.

Ganz in der Nähe der Bilsteinhöhle finde ich im Wald einen guten Lagerplatz. Der Hobo brennt auch mit dem feuchten Holz und so steht einer warmen Abendmahlzeit nichts im Wege.

 

Sauerland Waldroute: Tag 6 – Gutes Essen

An Köhlerhütten, Warnschildern zu permanentem CO2-Abbau 🙂 jede Menge Bänke auf der Bankroute und ruhigen Waldabschnitten, laufe ich bei Lattenberg direkt an einem weit außerhalb gelegenen Ausflugslokal vorbei, d.h. das ist so verlockend, dass ich hier erst mal ein richtig tolles Mittagessen bestelle. Käseüberbackenes Schnitzel mit Bratkartoffeln (hiervon doppelte Portin bestellt), Gemüse und Apfelsaftschorle in der heissen Eisenpfanne, ganz wie zuhause. Schmeckte wirklich erstklassig!

Von hier aus geht es Richtung Naturschutzgebiet Arnswald. Hier ist sehr schön eine Renaturierung zum lichten Auenwald zu erkennen und an verschiedenen Stellen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu verfolgen. Die Fichten sind entnommen, die Bäche wieder gestaut um den schnellen Abfluss zu verhindern, die passenden Bäume angepflanzt, … sieht an manchen Stellen natürlich aus wie eine Schutthalde (zur Realisierung muss zunächst nun mal hart eingegriffen werden), an weiter fortgeschrittenen Stellen ist jedoch bereits wieder ein Erlenwald entstanden, der Bach schlängelt sich wieder typisch langsam fliessend durch das Tal, es wird wieder sumpfig, Staunässe macht sich breit, … eben alles was typisch ist bzw. an solcher Stelle typisch sein sollte.

Am Rande, außerhalb des geschützten Bereiches, finde ich einen tollen Lagerplatz mit Aussicht auf diese Renaturierung, stelle mir vor, wie das in 20 Jahren wieder aussehen wird und freue mich für die Insekten, Amphibien und Vögel, die dann hier, hoffentlich endgültig, wieder eine kleine Heimat gefunden haben werden.

Sauerland Waldroute: Tag 7 – Lörmecketurm

Auf fast ausschliesslich festen Wegen geht es durch den Wald bis zum Lörmecketurm bei Eversfield, quasi das Wahrzeichen der Sauerland Waldroute. Der Turm ist 35 Meter hoch, steht im Wald auf einer grossen Fläche mit vielen Bänken und man hat einen hervorragenden Blick weit über das waldreiche Sauerland.
Ich klettere natürlich auf den Turm, geniesse die Aussicht, mache Pause, esse zu Mittag. Bin ca. eine Stunde hier und sogar an einem so prominenten Punkt bin ich ganz alleine!
Abends finde ich an der Kronleuchterbuche einen prima Lagerplatz und koche mir eine doppelte Portion Kartoffelbrei mit Schinkenwürfel.

Sauerland Waldroute: Tag 8 – Weihnachtsbäume

Heute, am vorletzten Tag, muss ich das Ruhrtal durchqueren. Irgendwie muss ich ja „auf die andere Seite“ und an den vielen kleinen Orten vorbei bzw. durch. Bestwig, Ostwig, Nuttlar, Olsberg.

Das ich hier einiges an Strassen, Asphalt und Lärm passieren muss war klar. Worauf ich aber nicht vorbereitet war, sind die insgesamt quadratkilometer grossen Anbauflächen für Weihnachtsbäume … ätzend. Kahlschlag und man geht rechts und links gesäumt durch Weihnachtsbaumfelder. Schaut man über das Ruhrtal, sind auf der anderen Seite immer noch mehr Weihnachtsbäume. Ich bin sicher, dass jeder der das gesehen hat, den Rest des Lebens keinen Weihnachtsbaum mehr kaufen wird – ich habe mich richtig gefreut, dass ich in meinem Erwachsenenalter noch nie einen gekauft habe!

Aber auch hier gibt es im Ruhrtal schöne Anblicke: die Ruhr selbst führt klares Wasser, ich habe Fische springen gesehen und aus einem klaren Seitenbach konnte ich auch hier Trinkwasser entnehmen 🙂

Richtig satt trinken konnte ich mich dann später wieder am Brunnen des Maxstollens und nicht weit entfernt findet das Tarp einen Platz für die Nacht an einer einsamen Wassertretstelle an einem munter sprudelnden Bach. Und auch hier … kein Mensch!

Sauerland Waldroute: Tag 9 – Endpunkt Willingen

Es geht zurück zum Auto. Richtung Brilonwald, das Tal der Hoppecke entlang auf geschottertem Weg. Das Tal ist trotzdem schön, es wird natürlich durch die Straße immer lauter je näher ich Willingen komme.

Vorher gibt es aber noch einen „gefährlichen Anstieg“, ich schnuppere ganz kurz ein Stückchen vom Rothaarsteig (könnte für Ostern oder Pfingsten im nächsten Jahr das Passende sein) und geniesse natürlich, das Tourenziel vor Augen, die Ruhe und die Aussichten der Sauerland Waldroute.

Sauerland Waldroute: Fazit

Eine schöne und gemütliche Wanderung, eher langer Spaziergang ohne die Anstrengung steiler Anstiege in lieblicher bewaldeter Landschaft. Nichts für Leute, die eher „in der Wildnis“ unterwegs sein wollen, in größerem und naturnahen Waldgebiet. Dann geht man im heimischen Deutschland eher z.B. in den Pfälzerwald oder den Soonwald. Aber geeignet für den, der locker entspannen will und nicht total allergisch auf überwiegend feste Wege reagiert.